Mrz
31
2013

Von der Kompakten zur Systemkamera – meine Erfahrung mit der Sony NEX-3N

Ich hatte ab und zu den Eindruck an die Grenzen meiner Kompaktkamera zu stoßen. Es handelt sich um eine Panasonic DMC-TZ10 mit einem Brennweitenbereich von 25-300mm und 12 Megapixel-Sensor. Für eine Kompakte macht sie super Fotos, keine Frage. Aber es ist trotzdem nur eine Kompakte. Gerade bei schwachem Licht (Regenwetter auf dem Berg) oder Makroaufnahmen habe ich das deutlich bemerkt.

Meine Überlegungen

Und so habe  ich mir lange überlegt ob ich eine neue Kamera brauche und wie groß die Vorteile denn wären. Zuerst dachte ich an die Anschaffung einer Einsteiger-DSLR von Canon, wurde dann durch ein Fotografie-Forum auf die Systemkameras aufmerksam und freundete mich zunehmen mit der Sony NEX-Serie an. Vorteil einer Systemkamera ist die deutlich kompaktere Bauweise, die, abgesehen vom Objektiv, kaum größer als eine Kompaktkamera ist. Der Sensor ist fast der selbe, nur der Autofokus ist meist etwas langsamer als jener von DSLRs. Bei Landschaftsaufnahmen oder ruhige Szenen ist das aber nicht störend. Wichtig war mir aber auch die Option auf ein günstiges Weitwinkelobjektiv. Die 25mm der TZ10 sind auf dem Berg oft sehr nützlich, als Student kann ich aber nicht Unsummen für Objektive ausgeben. Ich spielte dann bereits mit dem Gedanken die Sony NEX-F3 zu erwerben, als die Gerüchteküche plötzlich recht eindeutig einen Nachfolger erwähnte. Daraus wurde die Sony NEX-3N, über die ich mehrmals berichtete und die ich mir dann auch anschaffte. Vorbereitet hatte ich mich mit einem Buch zur Naturfotografie von Reinhard Eisele, das ich übrigens sehr empfehlen kann. Gekommen wäre ich selbst nicht darauf, meine Freundin war wieder mal schlauer und hat es mir geschenkt (danke nochmal, bist die Beste!). Hier nun ein Erfahrungsbericht nach zweiwöchiger Nutzung der Kamera.

Die Sony NEX-3N

Als Einsteigermodell der Sony NEX Serie bietet die NEX-3N nur die grundlegende Ausstattung. Dinge wie Blitzschuh, Anschluss für einen elektronischen Sucher oder ein externes Mikrofon fehlen. Das stört mich aber als Umsteiger von einer Kompakten überhaupt nicht – und genau dafür ist die 3N auch gedacht. Mit ihrem günstigen Preis soll sie soll sie gerade Leute wie mich locken. Die Kamera mit dem 16,1 Megapixel Sensor hat einen eingebauten Blitz und als erste Systemkamera eine Zoomwippe am Auslöser. Mehr erfreut hat mich aber das Kit-Objektiv SEL-P1650. Da der Crop-Faktor der NEX-Serie 1,5 ist ergibt sich mit dem Kit-Objektiv eine Brennweite (Kleinbild-Äquivalent) von 24-75mm. Also etwas mehr Weitwinkel als meine bisherige Kamera und doch auch etwas Zoom dabei. Passt gut für mich. Da ich aber durchaus dem Zoom meiner TZ10 manchmal ausreizte kam es gelegen, dass es die 3N auch im Bundle mit einem zusätzlichen 55-210mm Objektiv gibt: dem SEL55210. Das entspricht im Kleinbild-äquivalent 82,5-315mm. Super um auch mal ein Tier aus der Ferne aufzunehmen. Empfohlener Verkaufspreis für das Bundle NEX-3N mit SEL-P1650 und SEL-55210 ist 750 Euro. Als Student bekommt man im Sony Education Store noch einigen Rabatt und so wartete ich nur mehr dass meine Kamera endlich lieferbar war. Erfreulicherweise wurde noch eine 16GB große Class-10 SDHC-Karte gratis dazugelegt.

Erster Eindruck

Das Kameragehäuse der 3N ist nicht viel größer als jenes der TZ10. Samt Objektiv ist sie dann aber deutlich schwerer, jedoch immer noch viel kompakter als eine DSLR. Sie liegt mir gut in der Hand (die NEX-5N beispielsweise durch die Ausbuchtung auf der Vorderseite hingegen nicht) und ich komme an alle Bedienelemente gut ran.

Sony NEX-3N mit nach oben geklapptem Display.

Sony NEX-3N mit nach oben geklapptem Display.

Sony NEX-3N mit offenem Seitenfach für USB-Anschluss und Speicherkarte.

Sony NEX-3N mit offenem Seitenfach für USB-Anschluss und Speicherkarte.

Das nach oben klappbare Display wirkt stabil und wie auch das restliche Gehäuse hochwertig. Die Auflösung des Displays wurde zwar deutlich reduziert, ich könnte aber nicht meckern. Bisher war es auch hell genug, allerdings hatte ich noch nicht so viel Sonnenschein in den letzten beiden Wochen. Auch die beiden Objektive wirken sehr hochwertig. Die kleine Zoomwippe direkt am SEL-P1650, das ja elektronisch gesteuert wird, gefällt mir zwar nicht so, umso mehr aber die Haptik des SEL55210. Damit ist die Kamera sehr angenehm zu halten, aber trotzdem noch nicht übermäßig klobig (wer andere Zoom-Objektive kennt weiß dass die Bezeichnung Ofenrohr oft recht passend wäre).

Sony NEX-3N und Panasonic DMC-TZ10 in der Gegenüberstellung (ausgeschalten).

Sony NEX-3N und Panasonic DMC-TZ10 in der Gegenüberstellung (ausgeschalten).

Sony NEX-3N und Panasonic DMC-TZ10 in der Gegenüberstellung (eingeschalten).

Sony NEX-3N und Panasonic DMC-TZ10 in der Gegenüberstellung (eingeschalten).

Bildqualität

Ich muss jetzt im Nachhinein etwas über mich schmunzeln – war ich doch tatsächlich nicht sicher ob die Steigerung der Bildqualität markant genug wäre um einen Neukauf zu rechtfertigen. Ich habe in den letzten beiden Wochen Fotos geschossen, die mit meiner Kompakten nie möglich gewesen wären.

Kohlmeise auf einem Marillenbaum.

Kohlmeise auf einem Marillenbaum. Bildausschnitt mit SEL-55210 bei 210mm.

Die selbe Kohlmeise nochmal von der Seite.

Die selbe Kohlmeise nochmal von der Seite. Schönes Bokeh, leider aber recht trüb wegen des Regenwetters.

Vor allem die Freistellung mit der besseren Optik und der manuelle Fokus bereiten mir sehr viel Spaß. Jetzt muss ich nicht mehr so lange rumprobieren, bis die Kamera endlich richtig scharf stellt. Und die Einstellung der Blende, die es bei der TZ10 auch gibt, zeigt endlich Wirkung. Bei „offener“ Blende bekomme ich einen schön verschwommenen Hintergrund, die TZ10 kannte sowas nicht. Zwar soll das SEL-P1650 massiv verzerren und vignettieren, die Kamera bessert das aber alles sehr gut aus wenn man im jpg-Format fotografiert. RAW habe ich noch nicht getestet, da ich nicht Stunden verbringen möchte die Fotos nach einer Tour aufzuhübschen oder erst ansehnlich zu machen. Einfache Korrekturen genügen mir bisher.

Beispiel für die Tiefenunschärfe mit SEL-55210.

Beispiel für die Tiefenunschärfe mit SEL-55210, das Motiv (ein Vogel) war leider schneller als mein Auslöser-Finger.

 Verwendung

Das schwenkbare Display ist genial. Bei Aufnahmen von Blumen aus der Höhe der Blüten muss ich nicht mehr in die Hocke gehen, es genügt das Display nach oben zu klappen. Dass es nicht auch nach unten schwenkbar ist (für Überkopf-Aufnahmen), stört mich nicht. Genauso wie ich als Kompaktkamera-Umsteiger mit dem Menu gut zurecht komme – wahrscheinlich weil ich es gar nicht gewohnt bin für jede Einstellung einen eigenen Knopf zu haben. Fein wäre es allerdings mehr Einstellmöglichkeiten für die eine frei belegbare Taste zu haben. Zum Beispiel den Wechsel zum manuellen Fokus.

Eine Specht-Heimat

Eine Specht-Heimat, aufgenommen bei Regenwetter.

Eine Erika bei Regenwetter.

Eine Erika bei Regenwetter. Im Original erkennt man im Tropfen rechts mittig die Umrisse von mir. Aufgenommen mit hochgeklapptem Display.

Sehr schlau platziert ist die Klappe unter der sich Speicherkarten-Slot und USB-Anschluss befinden. Sie lässt sich links an der Seite öffnen, ohne die Kamera vom Tisch nehmen zu müssen. Meine TZ10 musste ich mit dem Objektiv oder Bildschirm nach unten auf den Tisch legen um an die Klappe an der Unterseite zu gelangen. Der Akku muss leider in der Kamera geladen werden, externes Ladegerät wird keines mitgeliefert. Da ich zur Zeit aber nur einen Akku habe, ist das egal. Die Speicherkarte lässt sich auch bei angeschlossenem Lade-Kabel (USB) noch gut entnehmen.

Fazit

Ich bin froh den Wechsel gewagt zu haben. Obwohl es in den vergangenen Tagen fast durchgehend bewölkt war, bin ich sehr zufrieden mit den Foto-Resultaten. Es macht Spaß mit der Kamera zu fotografieren und das Ergebnis stimmt auch. Gröbere Mängel hab ich noch keine gefunden – bis auf kleinere Einstellmöglichkeiten im Menu. Einsteigerkamera halt. Theoretisch bliebe immer noch ein Upgrade auf höhere NEX-en, die Objektive könnte man behalten. Das ist der Vorteil wechselbarer Optiken. Ich bin aber im Moment zufrieden so.

Ein Feldsperling im Anflug zur Meisenkugel.

Ein Feldsperling im Anflug zur Meisenkugel. SEL-P55210 mit Serienbildaufnahme, aufgehellter Bildausschnitt.

Nachtaufnahme von Bozen, Südtirol.

Nachtaufnahme von Bozen, Südtirol.

Wenn es wärmer wird, muss die NEX-3N ihr Können auch auf dem Berg beweisen. Eine Kameratasche (Lowepro Apex 100 AW) ist auch schon besorgt, vielleicht folgt dazu noch ein getrenntes Review. Vorher gibt es aber hoffentlich doch noch etwas Frühling, dann werde ich sicher ein paar Blüten-Fotos hier oder auf BergGr.at hochladen. Inzwischen beantworte ich gerne eure Fragen.

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Über den Autor:

Als technikbegeisterter Physikstudent befasse ich mich gerne in meiner (teilweise spärlichen) Freizeit mit den neuesten Technik und IT Trends. Ich möchte auf meinem Blog Retracked.net einige meiner Recherchen oder einfach nur Themen, die ich spannend finde, mit euch teilen.

6 Kommentare + Kommentar hinzufügen

  • Klingt echt nicht schlecht. Was hast du dafür nun bezahlt?
    Ich hatte ja vor einem 3/4 Jahr auch überlegt und mir dann doch meinen Wunsch erfüllt und mir eine DSLR gekauft. Die Canon 600D inkl 2 Kits. Kam klar mit Tasche ca. 900 Eur. Aber dafür hab ich nun ne echt coole Kamera.
    Mit RAW arbeite ich auch fast nie. Dauert zu lange, aber die Möglichkeiten sind damit schon echt cool. Dafür aber eben auch ca. 25 MB pro Foto.

    • 600 Euro habe ich bezahlt für die Cam mit 2 Objektiven, ein super Preis wie ich finde. Hatte vorher auch die 600D im Auge, aber für den Berg ist das Ding vielleicht doch zu klobig wenn man nicht nur der Fotos wegen rauf will :)
      Hab noch kein einziges Foto in RAW geschossen ^^

  • Ich überlege gerade auch eine NEX zu kaufen, kann mich aber schwer zwischen der 3n und der 5r entscheiden. Da du ja nun Erfahrung mit einer dieser Kameras hast, was würdest du mir raten? Wie drastisch sind die Einschränkungen der 3n? Ist die manuelle Einstellung zu umständlich oder kann man das mit etwas Training gut meistern?

    • Hallo Eve,

      ich kann die 3N als Umsteiger- und Einsteigerkamera (zur Systemkamera) uneingeschränkt empfehlen. Bin sehr begeistert von den Möglichkeiten, die die Kamera bietet. Klar gibt es Einschränkungen, es ist schließlich ein Einsteigermodell. Was mir etwas fehlt sind ein Sucher (gibt es aber erst ab NEX-6, wobei ich auch nicht weiß wie oft ich ihn dann wirklich verwenden würde), eine Panoramaaufnahmefunktion (es gibt die Auto-Panorama-Funktion bei der das Bild gleich zusammengesetzt wird, mit Auflösungsverlust aber) und das war’s eigentlich auch schon. Die anderen Einschränkungen bemerke ich eigentlich in der Praxis gar nicht, wie z.b. Minimal-ISO 200 (anstatt 100 wie bei der 5R) oder die langsamere Serienbildaufnahme (benötige ich nicht so oft).
      Was man bei der 5R evtl. vermissen könnte, ist ein eingebauter Blitz. Mir war das Gehäuse der 5R zudem viel zu klein, hab wohl etwas zu große Hände dafür. Aber im Prinzip kann ich ja jederzeit wechseln. 3N verkaufen und eine gebrauchte 5R/5N/6 kaufen. Objektive kann man ja behalten.
      Ich arbeite zwar hauptsächlich mit der Automatik, probiere aber auch gern mal mit der manuellen Einstellung rum wenn ich gerade Zeit habe. Mit etwas Training und Theorielektüre bekommst du das sicher hin. Gerade wenn es z.B. darum geht ein Bächlein mit langer Belichtungszeit zu fotografieren.
      Nimm die Kameras am besten Mal in die Hand und schau welche dir besser passt – rein von der Haptik her. Für einen Umsteiger bieten beide genug Funktionen und in ein paar Jahren wenn du dich besser auskennst willst du vielleicht ohnehin wechseln ;)

  • Ganz lieben Dank für deine ausführliche Antwort. Ich finde zwar, dass (zumindest für meine Hände) die 5er besser in der Hand liegt, aber ich war sehr unsicher, ob das den Preisunterschied wirklich rechtfertigt. Im Größen und Ganzen können ja wirklich beide fast dasselbe. Wlan und Apps werde ich kaum brauchen. Einen Touchscreen hätte ich gut gefunden….
    Da du ja sehr zufrieden bist, wage ich es nun einfach mit der 3n. Du hast ja Recht damit, dass man immer noch wechseln kann und die Objektive ja behalten kann.
    Also nochmal vielen Dank. Ich bin schon gespannt auf die Fotos…

    • Du wirst mit der 3N sicher auch deine Freude haben, vor allem wenn du vorher nur mit Kompaktkameras fotografiert hast. Die Fotos sind schon deutlich besser. Viel Spaß! :)

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